woman of science

Meeresbiologie   

in Zeiten von

Klimawandel und Korallensterben

Fragen an Mareen Möller

1________ deine Arbeit

Was ist derzeit dein Aufgabenfeld? Bitte beschreibe kurz und verständlich für Nicht- Wissenschaftler über was du deine Doktorarbeit schreibst und an welchem Projekt du auf Guam arbeitest. Seit wann reist du nach Guam und wie lange hältst du dich dort zum Forschen auf?

In meiner Doktorarbeit am ICBM der Uni Oldenburg untersuche ich, ob sich Steinkorallen an den Klimawandel, bzw. die dadurch ansteigenden Temperaturen anpassen können – und das in recht kurzer Zeit. Steinkorallen sind die Grundbausteine von Korallenriffen, ähnlich den Bäumen des Regenwaldes, und reagieren sehr empfindlich auf ansteigende Temperaturen. Besonders in den letzten 10 Jahren kommt es vermehrt zu Korallensterben: ganz aktuell findet das größte Korallensterben statt, das je beobachtet wurde. Hauptgrund dafür sind sehr hohe Temperaturen die mit natürlichen Wetterphänomenen zusammenhängen, aber durch den beginnenden Klimawandel verstärkt werden. In den nächsten Jahrzehnten wird es sicherlich große Veränderungen in den Riffen weltweit geben, wie genau diese Veränderungen allerdings aussehen werden, kann derzeit nur schwer vorhergesagt werden. Dementsprechend schwierig ist es auch, vorausschauende Maßnahmen zu ergreifen, um die Riffe der Zukunft möglichst gut zu schützen.
Ich habe die Hoffnung, dass junge Korallen, die unter erhöhten Temperaturbedingungen aufwachsen, sich in gewissem Rahmen an die Bedingungen anpassen können und somit besser für die Zukunft gerüstet sind. Diese Hypothese überprüfe ich mit Langzeitversuchen, was für eine Doktorarbeit eher ungewöhnlich ist, da dabei sehr viel schiefgehen kann. Die Idee zu diesem Projekt hatte ich während meines Masterstudiums und konnte währenddessen schon Vorversuche durchführen. Diese Vorarbeiten ermöglichten mir, mit Beginn der eigentlichen Doktorarbeit dieses größere Projekt richtig anzugehen.
Schon während meines Biologiestudiums (Bac. Sc.) hatte ich das Glück, meine Abschlussarbeit auf Guam machen zu können. Guam ist eine kleine Insel im Pazifik mit einem Meeresforschungsinstitut (University of Guam Marine Laboratory), das für mich die perfekten Arbeits- und Lebensbedingungen bietet. Auch für meine Masterarbeit und nun meine Doktorarbeit habe ich jedes Jahr mehrere Monate dort verbracht, sodass Guam zu einer zweiten Heimat geworden ist. Vor Ort bin ich während des oftmals nur einmal jährlich stattfindenden „Korallenablaichens“. Dabei sammele ich Koralleneier und lasse die Embryos im Labor zu Larven heranreifen. Diese Larven siedeln sich anschließend auf einem passenden Untergrund an und mit den so entstehenden Jungkorallen führe ich meine Versuche durch. Einen Teil der Korallen transportiere ich mit nach Deutschland. Hier am Institut in Wilhelmshaven haben wir eine große Aquarienanlage, wo ich die Versuche über längere Zeit durchführen kann. Diese Möglichkeiten gibt es nicht an vielen Instituten und ich bin überzeugt, dass interessante Ergebnisse dabei herauskommen werden.

Mareen reiste zum ersten Mal 2010 nach Guam. Seit dem war sie jeden Sommer (bis auf einen) für ein paar Monate dort zum Forschen und Arbeiten.

2_________ deine Kollegen/innen

Du warst gerade auf Hawaii bei einer WissenschaftlerInnenkonferenz. Worum ging es dabei und wer war dort vertreten? Wie stark sind Frauen in dem Wissenschaftsbereich vertreten?

Auf Hawai‘i hat im Juni das ICRS (International Coral Reef Symposium) stattgefunden. Bei dieser Konferenz ist der Großteil aller Wissenschaftler, die an Korallenriffen arbeiten, vertreten, um ihre neusten Ergebnisse zu präsentieren. Dabei sollen sich die Wissenschaftler in erster Linie direkt untereinander austauschen, inspirieren und Kooperationen fördern. In der Meeresforschung sind Frauen in höheren Positionen generell weniger stark vertreten als Männer. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Fachbereichen. In der Korallenriffforschung gibt es viele hoch angesehene Professorinnen und Forscherinnen. Nachdem Du mich darauf angesprochen hast, ist mir erst aufgefallen, dass das Bild eigentlich ein sehr homogenes war. Zumindest, was die Verteilung von Frauen und Männern anging.

In wie fern hat dir dieses Treffen Zuversicht für die Zukunft der Weltmeere gegeben? Was stimmt dich traurig und was bereitet dir Sorgen, wenn du Berichte von anderen WissenschaftlerInnen hörst oder liest?

Es gab einige Berichte über das immense Korallensterben, das aktuell noch stattfindet und im letzten Jahr seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Das Ausmaß hat wirklich alles bisher Dagewesene übertroffen. Wenn man weiß, was für eine Bedeutung die Korallen nicht nur für alle Organismen im Korallenriff, sondern auch für die Menschen an den Küsten haben, blicken wir wirklich in keine gute Zukunft. Große Veränderungen werden auf jeden Fall stattfinden, dafür wurde schon zu viel mit unserer Atmosphäre gespielt und wir werden lernen müssen, damit umzugehen. Allerdings stellt sich noch die Frage, ob es nur große Veränderungen sein werden, oder ob tatsächlich der Großteil der Riffe komplett ausgelöscht werden wird. Um das besser einschätzen zu können, sind wir Wissenschaftler gefragt und wir müssen versuchen, Politikern und der Öffentlichkeit den Ernst der Lage noch besser verständlich zu machen. Es gibt immer noch zu viele Leute, die den Klimawandel nicht ernst nehmen oder es für ein Problem der nächsten Generation halten.

3_________ deine Haltung zur Gleichberechtigungsdebatte

Du hast mir berichtet von der Wahl einer Gleichstellungsbeauftragten an eurer Uni. Es durften nur Frauen an der Wahl teilnehmen. Aus welchem Grund stört dich das? Was ist aus deiner Sicht daran nicht förderlich zur Thematik der Gleichberechtigung?

Gleichberechtigung bedeutet für mich gleiche Chancen in allen Bereichen und nicht Vorteile für das eine Geschlecht, weil es Nachteile in anderen Bereichen hat. Die Gleichberechtigungsbeauftragte ist nicht nur für Frauen zuständig, sondern für alle „Minderheiten“ an der Uni. Dazu gehören auch durchaus einige Männer. Das diese dann nicht wählen dürfen, finde ich völlig falsch. Ich finde, Frauenförderung sollte gezielter dort eingesetzt werden, wo sie wirklich von Nöten ist. Zum Beispiel bei der Besetzung von Professuren in bestimmten Fachbereichen und vielleicht den dabei auszuhandelnden Gehältern. Außerdem sollte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch besser unterstützt werden.
In anderen Bereichen hingegen haben großartige, starke Frauen in den letzten Jahrzehnten schon so viel für uns alle erkämpft. Diese Errungenschaften sollten wir würdigen und nicht immer noch auf die gleichen Probleme zeigen, die oftmals kaum noch erkennbar sind.

Danke für das Teilen deiner Gedanken und Berichten von deiner Arbeit!

 

 

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